AG Geige - Ein Amateurfilm

Dokumentarfilm von Carsten Gebhardt





Künstler-Kollektiv, Avantgarde-Band, so richtig weiß man bis heute nicht, als was man die Gruppe von vier jungen Leuten aus dem grauen Karl-Marx-Stadt bezeichnen soll, die Ende der 80er Jahre in der DDR das bis dahin undenkbare Angebot des staatlichen (und staatlich kontrollierten) Jugendradio-Senders DT64 ergreifen sollte, eingereichte Kassetten mit selbstproduzierter Musik nicht nur wohlwollend zu registrieren, sondern auch zu senden.

Schon kurze Zeit später tourte die Band durchs Land, ihre Musik wurde jetzt professionell von eben diesem Radiosender produziert, und nur Wochen vor der Wende fanden sie sich überraschend in den Studios des einzigen Schallplattenkombinats des Landes wieder.

Dabei waren die vier gar keine Musiker, sondern Autodidakten. Ihre Auftritte waren eher Performance als Konzert: mit skurril artifizieller Kostümierung, dem Einsatz von selbstproduzierten/übermalten Filmen/Videos, mit Texten, seltsam absurd bis zur Poesie. Und einer Musik, die unter dem Diktat des allgegenwärtigen wirtschaftlichen Mangels mittels tape recording und zusammengeklaubtem Equipment von elektronisch produzierten Sounds und Samples geprägt war.

Der Film zeigt Live-Mitschnitte, noch vorhandenes Film- und Videomaterial und versucht in Gesprächen mit den Protagonisten (den Künstlern, aber auch den Radiomachern, Veranstaltern und Kuratoren) den künstlerischen Intentionen und der Besonderheit der Zeit nachzugehen.